Sitzbank aus altem Bett

Jetzt steht doch tatsächlich in meiner Beitragsübersicht „vor 2 Monaten“. Ja, es ist tatsächlich lang her, dass ich einen Beitrag veröffentlicht hab. Ich habe mich lediglich auf ein paar wenige Facebook-Posts  beschränkt. Also alle, die mir auf Facebook folgen, haben bereits einen kleinen Einblick in das neuste – und nun abgeschlossene – Großprojekt erhalten:

★ Das Bauen einer Sitzbank im Landhausstil mit Trunhenfunktion aus einem alten Bett ★

Im Vergleich zu meinen niedlichen Feen-Türn also wahrlich eine große Nummer und entsprechend zeit- und arbeitsintensiv. Das ist auch der Grund für die fehlende Beiträge. Ich wollte einfach voran kommen und es hat unglaublich viel Zeit gekostet.

Also wo hat alles angefangen?

Mein -Mann hätte es gerne, dass wir den Hintereingang für den täglichen Ein- und Ausgang nutzen und dort auch Schuhe etc. lagern. Der Vordereingang soll für Gäste da sein, um eben nicht täglich so viel Schmutz reinzutragen. In dem Zusammenhang sollen auch die zusammengewürfelten Kommoden im Eingangsbereich weichen. Allerdings nutze ich – die Rückengeplagte – einer dieser Schuhkommoden, um mir im Sitzen die Schuhe anzuziehen. Bedingungung für den Umzug zum Hintereingang war von mir also, dass ich wieder eine Sitzgelegenheit dort hinbekomme. Ich hatte sofort eine von diesen schicken Landhaustruhen/Sitzbänken im Kopf.

Als ich jedoch gesehen habe, was solche Massivbänke kosten, sind mir fast die Augen ausgefallen. Da kann man doch tatsächlich bis zu 800 € ausgeben *.*

Hier könnt ihr nun den Entwicklungsprozess 🙂 meiner eigenen Sitzbank über diese 15 Schritte nachlesen:

1.Idee von Pinterest
2. Bett von eBay (25.11.16)
3. Planen & Zeichnen (03.12.16)
4. Sägen & Schleifen (03.12.16)
5. Erster Anstrich (Grundierung) (04.12.16 – 10.12.16)
6. Bohren, Schrauben & Dübeln (17.12.16 – 29.12.16)

7. Zweite Schleifeinheit (29.1216)
8. Zusammenbau (29.12.16)
9. Zweiter Anstrich (weiße Kreidefarbe) (30.12.16)
10.
Latten & Leisten anschrauben (31.12.16)
11.
Sitzfläche (aus alter Tür) sägen + bauen (02.01.16)
12. Scharniere anbringen (02.01.16)

13. Originalschrauben (hier reine Deko) befestigen (08.01.17)
14. Lackieren mit Holzversiegelung (08.01.17)
15. Das Meisterstück

 

1.Idee von Pinterest

Und wie es der Zufall wollte habe ich hier über Pinterest gesehen wie jemand aus einem altem Bett eine Sitzbank gezaubert hat. Ich war hin und weg und wollte das auch probieren.

pinterest-bank

2. Bett von ebay

Da ich selbst kein Bett über hatte, habe ich einfach bei ebay-Kleinanzeigen geschaut und siehe da – ein massives Kiefernbett zum Schnapperpreis von 40 € und weil ich nochmal etwas gehandelt hab, hab ich nur 30 € bezahlt 🙂

screenshot_20161118-094331

Mein -Mann ist mit mir abends losgefahren und hat es zusammen mit dem netten Herren, der es netterweise schon einmal vorher abgebaut hat, ins Auto getragen.

3. Planen & Zeichnen

Bevor ich angefangen habe, habe ich mir erst einmal vieeelee Gedanken gemacht.

  • Wie hoch soll die Sitzhöhe sein?
  • Wie breit und wie tief soll die Bank sein?
  • Was soll die Vorderseite, was die Rückseite sein?
  • Wo an der Rückwand soll die Sitzfläche ansetzen?
  • Wo an den Pfosten sollen die Lehnen ansetzen?
  • Wie lang müssen die Lehnen-Bretter sein, da die Pfostendicke eingerechnet werden muss?
  • Wie verlängere ich die Pfosten, da Vorder- und Rückwand zu niedrig sind?

Nachdem ich mir über alles bewusst war und mir Notizen gemacht habe, habe ich mir

  • die Sägestellen eingezeichnet
  • jedes Teil abgeschliffen (mit 80er Papier – je niedriger desto gröber die Körnung des Schleifpapiers und desto schneller lässt sich die erste Schicht abschleifen)
  • Pfosten (die zur Verlängerung) auf die richtige Länge gesägt


4. Sägen & Schleifen

Die Säge, mit der mein -Mann die Pfosten durchgesägt hat (hier hab ich mich die Nutzung noch nicht getraut 8~) ), ist eine Kapp- und Gehrungssäge (Elektra Beckum).

Der Schleifer ist ein Dreieckschleifer von Black&Decker „Mouse Sanderpolisher“.

Nach dem Sägen habe ich immer so viel wie möglich angelegt, um sicherzugehen, dass auch alles gleich lang ist (so wie es sein soll) bzw. zueinander passt 🙂 – so wie hier:

20161203_111109

Außerdem musste ich die Leisten abhämmern, wo keine hinsollten. Da die angenagelt wurden, konnte ich selbstverständlich nicht mit dem Akkubohrer rausschrauben. Das Raushämmern funktioniert gut, wenn man es mit einem Gummihammer macht:

20161203_111720

5. Erster Anstrich
Nachdem alles das erste mal geschliffen wurde, ging es an den ersten Anstrich. Hierfür habe ich einen 2in1 Weisslack – Seidenmatt – von Toom verwendet.


Im Übrigen habe ich immer mit einer Schaumstoffrolle gestrichen. Das hat den Vorteil, dass man keine Pinselstreifen sieht und es so sehr einheitlich aussieht. Bei Toom kann man eine solche kleine Schaumstoffrolle mit Abrollbrett für wenig Geld erwerben.
schaumroller-set

6. Bohren, Schrauben & Dübeln

Nachdem ersten Anstrich, habe ich die nötigen Löcher gebohrt, um Holzdübel einzusetzen und Schrauben leichter (Löcher vereinfachen die Führung) einzudrehen.

Von den 10mm Dübeln habe ich benutzt:

  • je 4 x für die Verbindung der Pfosten (die zur Verlängerung mit den alten)
  • je seitlichem Brett (Lehnenseite) 8 x (je 2 oben und unten und je 2x für rechts und links)
  • Da die Rückwand nicht Bretter bis unten hatte, musste ich dort noch zwei weitere setzen. Für die Verbindung habe ich hier 3 oder 4 Dübel gesetzt (bin mir nicht mehr sicher :-D)

Um die Löcher für die Dübel nicht zu tief zu bohren (denn dann verschwinden die Dübel ja wieder :-)), habe ich Tiefenbegrenzung bzw. Dübelstopper von Wolfcraft benutzt:

20161229_180317

Um die Lehnen mit den Pfosten zu verbinden, habe ich neben den Dübel auch Schlitz-schrauben verwendet: 5,0 x 80 mm

Da diese ca. 2-3 cm zu kurz waren, habe ich erst mit der Bohrergröße zum Vorbohren ein Loch gebohrt (da Schraube 5,0 mm breit, Bohrergröße 4,0 mm). Anschließend habe ich mit der Bohrergröße, die dem Schraubenkopf oder größer entspricht, ein Loch von 2 cm gebohrt (mit Bohrerstopp). Dadurch „versinkt“ die Schraube in dem Pfosten und die Schraubenlänge reicht aus, um Pfosten und Bretter zu verbinden.

Insgesamt hat mich das Bohren, Schrauben und Dübeln die meiste Zeitgekostet. Insbesondere beim Dübeln bedarf es Milimeterarbeit. Wenn das Loch nicht exakt gerade gebohrt wird und der Dübel somit etwas schief (kaum sichtbar fürs Auge) sitzt, passt er nicht optimal ins gegenüberliegende Loch und das Brett sitzt letztlich schief.

Daher habe ich die Lehnenbretter vorher umzeichnet (siehe nächstes Bild) und dann dort den Mittelpunkt für die Bohrung ausgemacht. Und ich habe die weiteren Löcher, erst gesetzt wenn das erste Dübel in das erste Loch passte und dann erst mit dem zweiten weiter gemacht.

20161229_180404


Insgesamt habe ich folgendes „verschraubt“:

– Punkt 10:   22 x 4,0 x 35 mm Schrauben Senkkopf zinkt/gelb für Latten
– Punkt 10:      6 x 4,0 x 35 mm Schrauben Senkkopf zinkt/gelb  für Leisten
– Punkt 12:      4 x Winkel 40 x 40 mm, 4 Löcher (hatte ich über von einem altem Tisch)
– Punkt 12:     16 x Schrauben für Winkel (abhängig vom Winkel, hier 3,5 – 4,0 x 20 mm)
– Punkt 12:     2 x Scharniere „Kofferschnalle“-Style, ca. 3,5 €/Stück
– Punkt 12:    12 x 4,0 x 35 mm Schrauben Senkkopf zinkt/gelb für Scharniere
– Punkt 13:     6 x Schlossschrauben zur Deko


7. Zweite Schleifeinheit

Nachdem ich die Lehnenseiten fertig zusammen geschraubt und gedübelt hatte  sowie die Pfostenverlängerung an die Rückseite, habe ich alles nochmals abgeschliffen, diesmal jedoch mit 240er Schleifpapier.

Warum ist das notwendig?
Weil beim ersten Schleifprozess (hier mit 80er Papier) wird die alte Schicht abgetragen. Hiernach stehen kleine Holzfäden ab, warum es sich rau anfühlt. Dies wäre auch der Fall, wenn ihr den ersten Schleifvorgang mit 240er Papier durchführen würdet. Durch den ersten Anstrich stellen sich selbst die kleinsten Holzfäden auf. Und diese kleinen Holzfäden lassen es sich auch nach dem ersten Anstrich noch rau anfühlen. Durch den zweiten Schleifvorgang werden diese Holzfäden dann letztendlich abgeschliffen und es fühlt sich plötzlich ganz glatt an 🙂

8. Zusammenbau
Nach der zweiten Schleifeinheit, habe ich die einzelnen Bauteile zusammengebaut. „Profis“ hätten wahrscheinlich den nachfolgenden Schritt „Zweiter Strichvorgang“ vorgezogen, damit auch die aneinanderliegenden Seiten mit Kreidefarbe bedeckt werden. Aber das war mir nicht so wichtig und da das Möbelstück nur im Innenbereich stehen wird, habe ich auch keine Bedenken, dass es dadurch zu weniger Haltbarkeit führt.

9. Zweiter Streichvorgang
Die Zweite Schicht habe ich dann mit weißer Kreidefarbe (typisch für Shabby chick / Landhausstil) gestrichen. Wenn ihr nun Stellen habt, wo ihr so viel abgeschliffen habt, dass das Holz wieder zu sehen ist, solltet ihr eine weitere Lackschicht mit der Grundierfarbe vornehmen. Ansonsten scheint dies bei weißer Kreidefarbe wahrscheinlich durch und es wirkt fleckig. Es ist aber natürlich geschmacksabhängig.

10. Latten & Leisten anschrauben (31.12.16)
Anschließend habe ich die Latten und übrigen Leisten angeschraubt.

Aufgrund der runden Pfosten, war es notwendig die erste und letzte Latte entsprechend anzupassen. Für eine einheitliche Rundung habe ich diese auf Pappe gezeichnet, um die Rundungen immer gleich zu übertragen:

20170102_134352

11. Sitzfläche (aus alter Tür) sägen + bauen (02.01.16)
Auch für die Sitzfläche wollte ich altes nicht mehr benötigtes Material verwenden. Wir hatten noch eine solche Zimmertür aussortiert, da sie im unterem Bereich einen Wasserschaden hatte. Darüber hinaus ist auch die Tür wie das Bett aus Kiefernholz, daher passte es optimal.

20170108_105433

Für die Sitzfläche habe ich den Teil über dem Türgriff verwendet. Hier sind unterschiedliche Höhen. Um das beim Sitzen später nicht zu merken, ist die Vorder/Rückseite der Sitzfläche hier bei der Tür oben/unten (das niedrig gelegenere Stück) und die Seiten links/rechts jeweils mit den Erhöhungen.

12. Scharniere anbringen (02.01.16)
Die Scharniere anzubringen hat mich etwas mehr Zeit gekostet. Damit das Hochklappen der Sitzfläche möglich ist und die Sitzfläche noch dazu offen stehen bleibt, ohne dass man sie fest halten muss, ist es notwendig das Scharnier etwas entfernt von der Rückseite zu befestigen. Dafür habe ich die Sitzfläche in zwei Teile geteilt. Auf diesem Foto sind beide Teile zu sehen:

20170102_134425

Das kleinere wird an der Rückseite liegen. An diesem habe ich außerdem zwei Klötze angebracht für die Scharniere:

Das kleinere Stück habe ich an der Rückseite mit Winkel an der Unterseite angebracht:
20170108_101459
Außerdem ist es notwendig bei dem größerem Stück der Sitzfläche Einkerbungen vorzunehmen:

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Da die Scharniere in der Mitter angebracht werden, wo das Stück niedriger liegt, ist es notwendig dort wo die beiden höher gelegenen Teile auf einander treffen auf Gehrung (schräg) zu sägen:

Ansonsten würde es nicht möglich sein, die Sitzfläche hochzuklappen, da die beiden Holzteile dann gegeneinander drücken würden.

Anschließend konnten die Scharniere – im coolen Koffer-Style – angeschraubt werden:


13. Originalschrauben (hier reine Deko) befestigen (08.01.17)
Bei Bildern wie diesen könnt ihr noch die unschönen Löcher erkennen:

20161218_151922

Die waren noch von den original Schlossschrauben dort. Eine Schlossschraube ist, eine Schraube ohne Spitze – dafür jedoch mit Drehstück. Die Schrauben selbst hätten bei meiner Konstruktion keinen Gebrauch mehr gehabt. Allerdings fand ich sie zur Deko immer noch schön.

Daher hatte ich meinen -Mann gebeten mir die Schlossschrauben mit der Flex zu kürzen. Damit sie in dem Loch halten, habe ich Acryl rein gespritzt. Silikon würde auch sehr gut hierfür geeignet sein. Tatsächlich hätte ich im Nachhinein lieber Silikon verwendet, da mein -Mann mir erklärt hat, dass man Acryl eher verwendet wenn man Risse oder Unebenheiten auf einer Wand glatt ziehen und überstreichen möchte. Da Acryl eher porös ist im Gegensatz zu Silikon lässt sich besser überstreichen. Naja, ich hoffe für diesen Zweck wird es auch reichen 🙂

P.S. Man verwendet beim Arbeiten mit Acryl die oben abgebildete Pistole. Bei Acryl oder auch Silikon ist es wichtig, das man die Spitze nach Benutzung nicht glatt abstreicht, sondern einen Zipfel hängen lässt. Den kann man später bei Wiederbenutzung dann einfach rausziehen.

14. Lackieren mit Holzversiegelung (08.01.17)

Zum Schluss habe ich die Bank mit einem Versiegelungslack überzogen, damit man nicht jeden Kratzer sieht, auch wenn man voll Karacho was dagegen schleudert 🙂

Bei Nutzung eines solchen Lacks unbedingt an der frischen Luft arbeiten oder mit weit geöffneten Fenster. Der Geruch ist wirklich sehr beißend und bestimmt nicht gesund diesen so einzuatmen 😉

 

15. Das Meisterstück

Hierzu gibt es nicht viel zu schreiben, außer dass ich unglaublich stolz bin! 🙂 

 

Hier nochmal der Vergleich:

sitzbank_beitragbild

Tobt euch doch auch mal probeweise in der Werkstatt eures Mannes aus – oder vielleicht habt ihr ja das Glück und habt eure eigene 🙂

Viel Spaß beim Zaubern!

~ Mrs. Tunichtgut ~

 

 

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2 Gedanken zu “Sitzbank aus altem Bett

  1. tibor42 schreibt:

    Hallo Mrs. Tunichtgut,
    danke fürs Verlinken meines Blogeintrags über unseren Bankbau. Deine Bank ist Dir perfekt gelungen, das muss ich schon sagen. Auch Deine Anleitung ist viel ausführlicher als meine, so dass auch Leute das Projekt umsetzen können, die handwerklich nicht so viel drauf haben. Gut gemacht! Viele Grüße aus dem Harzer Garten von Christina

    Gefällt 1 Person

    • MrsTunichtgut schreibt:

      Hallo Christina, uhhh das freut mich wirklich sehr ! Vor all Dingen von einem Blog-Profi wie dir! Echt toll wie viel du dort schon über die Jahre gezeigt hast. Und wie gesagt, die Idee vom Bett zur Bank fand ich so großartig, da musste ich selbstverständlich an die „Ideenbesitzerin“ verlinken 🙂 Vielen Dank! Liebe Grüße, Mrs. Tunichtgut

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